Ratgeber · Grundlagen
Punzen erkennen: Goldstempel und Silberstempel richtig lesen
585, 750, 14K, 925, Halbmond und Krone, „90“ auf Besteck – was die Stempel bedeuten, wo Sie sie finden und wann sie lügen.

Eine Punze ist ein winziger Stempel, den Hersteller in Edelmetallwaren schlagen, um den Feingehalt anzugeben. In Deutschland ist das freiwillig – das Feingehaltsgesetz von 1884 verbietet nur falsche Angaben. Deshalb tragen manche Stücke keinen Stempel, andere gleich drei. Wer sie lesen kann, weiß in Sekunden, womit er es zu tun hat.
Wo sitzt die Punze?
- Ringe: innen in der Ringschiene, oft neben dem Herstellerzeichen.
- Ketten und Armbänder: am Verschluss (Karabiner, Federring) oder auf einem kleinen Plättchen daneben.
- Ohrringe: am Stift, Bügel oder an der Klappe.
- Anhänger: an der Öse.
- Besteck: auf der Rückseite des Stiels, meist mehrere Stempel nebeneinander.
- Uhren: Gehäuseboden oder zwischen den Bandanstößen; bei Goldarmbändern an der Schließe.
Die Stempel sind oft unter einem Millimeter groß. Eine Lupe mit 10-facher Vergrößerung oder die Makrofunktion des Handys hilft; guter Trick: das Stück schräg gegen das Licht halten, dann werfen die Buchstaben Schatten.
Goldpunzen: Tausendstel und Karat
Deutsche und die meisten europäischen Stempel geben den Feingehalt in Tausendsteln an: 333, 585, 750. Angelsächsische Stempel rechnen in Karat, wobei 24 Karat reinem Gold entsprechen. Die Umrechnung: Karat ÷ 24 × 1000.
| Punze | Karat | Goldanteil | Typisch |
|---|---|---|---|
| 333 | 8 K | 33,3 % | Kinderschmuck, dünne Ketten |
| 375 | 9 K | 37,5 % | britischer Schmuck |
| 417 | 10 K | 41,7 % | US-Schmuck |
| 585 | 14 K | 58,5 % | deutscher Standard |
| 750 | 18 K | 75 % | Juwelierschmuck |
| 900 | 21,6 K | 90 % | Goldmark, Vreneli |
| 916 | 22 K | 91,6 % | Krügerrand, Aussteuergold |
| 999 / 999,9 | 24 K | 99,9 % | Barren, Anlagemünzen |
Zusätze wie „W“, „WG“ oder „Weißgold“ bezeichnen die Farbe, nicht den Feingehalt. Ein Ring mit „750 WG“ ist 18-karätiges Weißgold.
Silberpunzen: 800, 925 und der Halbmond
Bei Silber gibt es keine Karat-Angabe – „925“ ist immer Silber, nie Gold. Die wichtigsten Stempel: 800 und 835 (Besteck, Tafelsilber), 925 oder „Sterling“ (Schmuck, hochwertiges Besteck), 999 (Barren, Münzen). Der Halbmond mit Krone ist das deutsche Reichszeichen, das seit 1888 massives Silber ab 800 ‰ kennzeichnet – meist zusammen mit der Feingehaltszahl und dem Herstellerzeichen. Vor 1888 wurde in „Lot“ gestempelt: 12 Lot entsprechen 750 ‰, 13 Lot 812 ‰.
Die klassische Falle: „90“ auf dem Besteck
Stempel wie 90, 100, 60 oder 40 auf Besteck sind keine Feingehalte, sondern Angaben zur Versilberung: 90 Gramm Silber wurden auf 24 Teile aufgetragen – ein Hauch von wenigen Mikrometern auf einem Träger aus Neusilber. Materialwert: praktisch null. Dasselbe gilt für „Alpacca“, „Neusilber“ und „EPNS“ (Electroplated Nickel Silver). Bei Goldschmuck weisen „GP“ (gold plated), „GF“ (gold filled), „1/20 12K GF“, „Doublé“, „DBL“, „AMD“ und „HGE“ auf Beschichtung hin.
Wann Punzen lügen
Ein Stempel kostet nichts. Importware und Modeschmuck tragen gelegentlich eine „585“ auf vergoldetem Messing; alte Stücke wurden umgearbeitet und tragen den Stempel eines anderen Teils; und manche Legierung liegt schlicht unter dem, was der Stempel behauptet. Deshalb verlassen sich seriöse Ankäufer nie allein auf die Punze: Bei uns geht jedes Stück durch die Röntgenfluoreszenzanalyse, die die Legierung in Prozent misst – zerstörungsfrei und in 30 Sekunden.
Kein Stempel? Kein Problem.
Handarbeit, Aussteuergold, Stücke aus dem Ausland, sehr alte Schmuckstücke – viele davon sind ungestempelt. Das ist kein Hinweis auf minderen Wert, sondern nur auf fehlende Kennzeichnung. Die RFA-Messung klärt es. Für eine erste Einschätzung zu Hause helfen zwei Beobachtungen: Gold ist schwer (ein 585er Ring fühlt sich deutlich schwerer an als ein gleich großer aus Messing) und Gold läuft nicht an. Wer es genau wissen will, nutzt unseren Punzen-Finder oder bringt das Stück vorbei.
Was bedeutet 585?
585 Tausendstel, also 58,5 % Gold – 14 Karat. Der Rest ist Silber, Kupfer, bei Weißgold auch Nickel.
Ist 925 Gold oder Silber?
Immer Silber (Sterlingsilber, 92,5 %). Goldstempel liegen zwischen 333 und 999; 925 kommt bei Gold nicht vor.
Was heißt Halbmond und Krone?
Das deutsche Reichszeichen für massives Silber seit 1888, immer in Verbindung mit einem Feingehalt von mindestens 800 ‰.
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